Aus Praxissoftware wird rechte Medienmacht
Was hat die Software in deutschen Arztpraxen mit der Finanzierung von NIUS zu tun? Wir folgen der Spur des Geldes – und zeigen, warum LinkedIn vier unserer Beiträge dazu gelöscht hat.
Vielleicht hast du beim letzten Arztbesuch auf einen Bildschirm geschaut, auf dem CGM MEDISTAR, TURBOMED oder M1 PRO lief. Was nach normalen Software-Namen klingt, ist in Wahrheit die Finanzierungsgrundlage für eines der skrupellosesten rechten Krawallportale Deutschlands.
Hinter diesen Programmen steht die CompuGroup Medical, einer der größten Gesundheits-IT-Konzerne Europas. Allein mit Software für Arzt- und Zahnarztpraxen setzte CGM 2025 über 700 Millionen Euro um. 531 Millionen Euro davon waren wiederkehrende Einnahmen – etwa aus Softwarepflege, Abos und anderen laufenden Verträgen.1
Gründer und Verwaltungsratsvorsitzender ist Frank Gotthardt. Die Gründerfamilie kontrolliert auch nach dem Einstieg des Finanzinvestors CVC weiterhin gut 50 Prozent des Konzerns.2 Gotthardt hat mit Gesundheitssoftware ein enormes Vermögen aufgebaut.
Und mit diesem Vermögen finanziert er ein zweites Projekt: Julian Reichelts rechte Kampagnenplattform NIUS.
Ein Medium, das nur mit Millionen überlebt
Die Zahlen erzählen eine ziemlich klare Geschichte:Die NIUS-Dachgesellschaft VIUS machte 2022 rund drei Millionen Euro Verlust. 2023 waren es 13,8 Millionen. 2024 kamen weitere 16,2 Millionen hinzu.
Macht über 30 Millionen Euro Minus in drei Jahren.3
Bei einem normalen Medienunternehmen wäre spätestens jetzt die Frage: Wie soll das jemals funktionieren? Bei NIUS lautet die Antwort: Frank Gotthardt und seiner Dach- und Betreibergesellschaft VIUS.
Medienberichte gehen davon aus, dass Gotthardt inzwischen insgesamt mehr als 50 Millionen Euro in das Projekt investiert hat.4 5
NIUS selbst hat währenddessen 2024 weniger als 1.000 Jahresabonnements und weniger als 100.000 Euro Einnahmen aus diesen Abos.6
NIUS wird also nicht von einer zahlenden „Mehrheit“ getragen. Es wird von einem Multimillionär am Leben gehalten.
Natürlich überweist keine Arztpraxis ihre Softwaregebühr direkt auf das Konto von NIUS. CGM und VIUS sind unterschiedliche Unternehmen. Aber der wirtschaftliche Zusammenhang ist trotzdem unübersehbar:Gotthardts Vermögen und Einfluss stammen aus einem Konzern, der Jahr für Jahr hunderte Millionen Euro mit Arztpraxen, Zahnarztpraxen, Kliniken und Apotheken verdient. Und genau dieses Vermögen nutzt er, um ein rechtes Medienprojekt dauerhaft zu subventionieren.
Aus Praxissoftware wird rechte Medienmacht.
Warum wir genau dort ansetzen
Deshalb haben wir unsere Kampagne „Diagnose: Desinformation“ gestartet.
Wir machen sichtbar, was im Praxisalltag fast unsichtbar bleibt: Welche Programme zu CGM gehören, wie viel Geld in diesem Geschäft steckt und wer damit NIUS finanziert.
Nicht, weil Ärzt*innen für Gotthardts politische Entscheidungen verantwortlich wären. Viele wissen vermutlich nicht einmal, wer hinter ihrer Software steht.
Deswegen wollen wir Praxen informieren – damit sie eine gewissenhafte Entscheidung über ihre Software-Wahl treffen können. Alle Infos dazu findest du auf unserer Website: https://edelweissnetzwerk.de/aktionen/medical/aerzte
Und ein Wechsel ist keineswegs absurd. Laut dem aktuellen PVS-Monitoring des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung denkt jede dritte Praxis über einen Wechsel ihrer Software nach. Häufige Gründe sind mangelnde Nutzerfreundlichkeit, hohe Lizenzgebühren, schlechter Support und versteckte Preissteigerungen.
Von den Praxen, die bereits gewechselt hatten, berichteten 83,9 Prozent von deutlichen Verbesserungen.7
Die Recherche ist veröffentlicht. Die Verbindung zwischen CGM, Gotthardt und NIUS ist öffentlich. Und wir arbeiten daran, diese Information aus den sozialen Netzwerken dorthin zu bringen, wo sie hingehört: in das Gesundheitswesen selbst.
Vier Beiträge später: gelöscht
Offenbar war schon die erste Phase ziemlich wirksam. Denn innerhalb kurzer Zeit hat LinkedIn vier unserer Beiträge zu Gotthardt, CGM und NIUS entfernt.
Die Begründung war jedes Mal ähnlich: Es sei eine Beschwerde eingegangen, unsere Beiträge enthielten angeblich verleumderische Aussagen.Welche konkrete Aussage falsch oder rechtswidrig sein soll, hat LinkedIn uns bis heute nicht mitgeteilt.
Wir haben widersprochen, unsere Quellen offengelegt und LinkedIn um eine konkrete Prüfung gebeten. Eine Antwort gibt es bislang nicht. Wer die Beschwerden eingereicht hat, wissen wir nicht.
Aber der Vorgang zeigt ein grundsätzliches Problem: Ein einflussreicher Akteur muss eine belegte Recherche offenbar nicht öffentlich widerlegen. Es kann schon reichen, sie als „verleumderisch“ zu melden – und die Plattform nimmt sie aus dem Feed, ohne den Betroffenen auch nur zu sagen, was eigentlich falsch sein soll.
Oder anders gesagt: Da sind wir wohl jemandem ziemlich kräftig auf den Schlips getreten.
Plattformen müssen nicht zulassen, dass belegte Kritik allein durch den Druck einflussreicher Akteure aus der Öffentlichkeit verschwindet. Wer Macht sichtbar macht, darf nicht einfach unsichtbar gemacht werden.
Hier geht es nicht nur um vier Posts. Es geht um die Frage, wer sich Öffentlichkeit leisten kann – und wer sie mit einer Beschwerde wieder schließen lassen kann.
Jetzt erst recht sichtbar machen
Wir haben deshalb einen neuen Beitrag veröffentlicht, in dem wir die Löschungen dokumentieren und LinkedIn zu einer Stellungnahme auffordern.
Bitte teile diesen Beitrag auf LinkedIn, Threads oder Bluesky.
Je mehr Menschen ihn teilen, desto schwerer wird es, die Recherche einfach wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen. Hier findest du unsere Posts zu dem Thema:
- LinkedIn:https://www.linkedin.com/company/111724497/admin/dashboard/
- BlueSky:https://bsky.app/profile/edelweissnetzwerk.de/post/3mrfdvgiz2k2i
- Threads:https://www.threads.com/@edelweissnetzwerk/post/DbLPEQBlpQD
- Instagram:https://www.instagram.com/p/DbTIpsPETvw/?img\_index=1https://www.instagram.com/p/DbTIpsPETvw/?img\_index=1
Wenn vier Beiträge gelöscht werden, machen wir den fünften eben gemeinsam größer.
Bis dahin!
Sarah aus dem Edelweiss Netzwerk
Unsere Quellen
Footnotes
- CompuGroup Medical, Geschäftsbericht 2025 ↩
- CompuGroup Medical, Angaben zur Partnerschaft mit CVC, zur Eigentümerstruktur und zum Verwaltungsrat ↩
- t-online, Auswertung des VIUS-Jahresabschlusses 2024 ↩
- t-online, Auswertung des VIUS-Jahresabschlusses 2024 ↩
- MDR Altpapier zur Finanzierung von NIUS ↩
- t-online, Auswertung des VIUS-Jahresabschlusses 2024 ↩
- Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, PVS-Monitoring 2025 ↩
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