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NIUS – Rechtskatholisch-antifeministischer Hang zum Adel
NIUS versammelt eine ganze Reihe rechtskatholisch-antifeministischer Aktivist*innen, die nicht erst dort ihre rückschrittlichen Positionen von sich geben.
NIUS versammelt eine ganze Reihe rechtskatholisch-antifeministischer Aktivist*innen, die nicht erst dort ihre rückschrittlichen Positionen von sich geben.
„Gender Hokuspokus“ - Alexander Kissler
Ein Beispiel ist Alexander Kissler. Er stieß 2024 zur NIUS-Redaktion. Zuvor 2014 schrieb Kissler noch für den Cicero Artikel gegen Gender-Studies, die er als „Gender Hokuspokus“ bezeichnete. Von 2020 bis 2024 arbeitete er im Berliner Büro der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), wo er in der Kolumne 'Der andere Blick' unter anderem Artikel gegen das „Gendern“ verfasste. Mit dem Youtube-Kanal 'Kissler Kompakt' ist er bei NIUS seit dem 12. Dezember 2024 täglich mit fünf bis sechs Minuten dauernden Clips aktiv. Sein Antifeminismus verknüpft sich mit einem rechtskatholischen Fokus. Die Bandbreite seiner antifeministischer Kommentare umfasst die Frauenquote, Antidiskrminierungsgesetze, Teilnahme von Bürgermeistern an Queer-Veranstaltungen, Regenbogenfahne, angebliche „Wokeness“ von ZDF und ARD oder auch Artikel gegen die Bundesverfassungsgerichtskandidatinnen Frauke Brosius-Gersdorf und Ann-Katrin Kaufhold.
Bereits vor der Entstehung der AfD schrieb er Artikel in The European. Dort war eine weitere antifeministische Rechtskatholikin seine Kollegin: Birgit Kelle.
„Gender-Gaga“ - Birgit Kelle
Eine weitere Mitarbeiterin von NIUS ist die Antifeministin Birgit Kelle. Sie ist bereits seit über zwanzig Jahren als Medienakteurin aktiv. Birgit Kelle wurde 2013 durch einen Artikel („Dann mach doch die Bluse zu“) bei The European schlagartig bekannt, der sich gegen die feministische #Aufschrei-Debatte wandte. Der Reichweiten-Erfolg dieses Artikels hat sicher auch mit ihrem Ehemann Klaus Kelle zu tun, der Medienunternehmer ist.
Eines seiner Unternehmen befindet sich auf dem Gelände der „Villa Adlon“ bei Potsdam, wo die berüchtigte rechte Konferenz mit dem Rechtsextremisten Martin Sellner stattfand. Klaus Kelle gibt dort das Magazin „Der Potsdamer“ heraus und half laut Tagesspiegel dem Hotel medial bei seinem Neustart als „Villa Aurea“.
Dieses Unternehmen von Klaus Kelle wird von der VERS1 Medien GmbH betrieben. Vers1 war in den 2010er Jahren ein Magazin von Birgit Kelle, welches unter anderem das verbotene Hetzmagazin Kreuz.net bewarb.
Birgit Kelle war zu der Zeit und noch lange danach mit den rechtskatholischen Legionären Christi / Regnum Christi verbunden. Die Legionäre Christi sind einer der reichsten Orden der katholischen Kirche. Dessen Gründer Marcial Maciel Degollado hatte in ca. 60 Fällen sexualisierte Gewalt gegen Kinder begangen. Vatican News gab bereits 2023 bekannt, dass mindestens 27 weitere Priester des Ordens sexualisierte Gewalt begangen hatten.
2009 teilte ihre GmbH die Adresse mit den Büros der Legionäre Christi in Düsseldorf, mit denen sie zusammen unterwegs war. Der Vorstand ihres Vereins „Frau 2000plus“ war dominiert von Frauen aus dem Regnum Christi Milieu. Und dieser Verein war verbunden mit dem europäischen Verband „New Women for Europe“, deren Generalsekretärin ebenfalls dem Legionäre Christi Milieu zugeordnet wurde. Im deutschsprachigen Raum sind Legionäre Christi / Regnum Christi von Adeligen wie den Heeremans, Ballestrems oder Habsburg dominiert. Sylvester (zu) Heereman leitete zeitweise weltweit die Belange der Legionäre Christi.
Die Kelles scheinen Legionäre und Mönche zu lieben. Klaus Kelle war bis Ende 2023 „Komtur“ des Tempelritter-Ordens. Und die zweite Vorsitzende des Vereins „Frau2000plus“ von Birgit Kelle, Eva Demmerle, ist „Consoror“ des Deutschen Ordens und Ehrendame des St. Georgs Ritterordens der Habsburger. Zudem war die enge Mitarbeiterin von Kelle jahrelang die Sekretärin von Otto von Habsburg.
Diesen Adelsbezug teilt sich Birgit Kelle mit anderen Antifeminist*innen aus dem NIUS-Umfeld. Beispielsweise mit Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis.
„Gender – wie heißt das Ding“ - Gloria von Thurn und Taxis
Zu den Dauergäst*innen des Magazins gehört Antifeministin Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis, die sich gerne als „Durchlaucht“ ansprechen lässt und tatsächlich von BILD, WELT und NIUS wahlweise als Fürstin oder Prinzessin angesprochen wird. Den NIUS-Chefredakteur Julian Reichelt kenne sie schon lange, sagte sie in einem Interview von 2023. Denn ihr Bruder Alexander von Schönburg-Glauchau habe wie Reichelt ebenfalls bei der BILD gearbeitet und sei mit ihm eng befreundet. Auch ihr Bruder habe die BILD verlassen, als sich eine „gräßliche“, „woke“ „Gewitterwolke der politischen Correctness der Angepasst-Seins“ über das schöne BILD-Hochhaus platziert habe. Die BILD sei doch mal die Zeitung des „kleinen Mannes“ gewesen, des Arbeiters, echauffierte sich die Milliardärin von Thurn und Taxis.
Gloria von Thurn und Taxis vertritt nicht einfach nur antifeministische Positionen, sondern sie ist international bestens vernetzt. Hierbei spielen ihre „Schlossfestspiel“ auf Schloss Emmeran in Regensburg eine wichtige Rolle. Dort empfing sie beispielsweise 2012 den ungarischen Präsidenten Viktor Orbán. 2017 wurde sie in den Aufsichtsrat des Dialogue of Civilisations Institutes (DOC) ernannt, welches vom russischen Oligarchen und Antifeministen Wladimir Jakunin gegründet wurde, allerdings 2020 seine Arbeit einstellte. Sie hatte engen Kontakt mit dem Rechtsextremisten Steve Bannon, sprach in prominenter Position bei den antifeministischen World Congress of Families in Italien und Mexiko, besuchte in den USA konservative Richter des Supreme Court, von denen wiederum einer ihr Schlossfestspiele besuchte. Zu den Besuchern dieser Festspiele gehörten auch der letzte Spitzenkandidat der AfD für die Europawahlen, Maximilian Krah, und die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel. Neben antifeministischen und migrations“kritischen“ Positionen fordert sie auch eine Regierungsbeteiligung der AfD, sonst könne die CDU/CSU niemals ihre Wirtschafts- und Sozialpolitik umsetzen. Zudem verteidigte die „Durchlaucht“ den Neonazi-Spruch „Alles für Deutschland“ von Björn Höcke.
Dies alles hatte ich bereits in einem Interview für den Bayerischen Rundfunk bzw. Tagesschau verbreitet. Diese Hintergrund-Informationen sollen laut NIUS dazu geführt haben, dass ein Schloss von Gloria von Thurn und Taxis von „der Antifa“ niedergebrannt wurde. Im Februar 2026 stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen jedoch ein: Vorsätzliche Brandstiftung sei ausgeschlossen.
Dieser Artikel wurde verfasst von:
Andreas Kemper
Publizist & Soziologe
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